Der eingebildete Einzeller. Ein Psychopath und Rückwärtsgeher.

Der Mensch versteht sich als I n d i v i d u u m. Dieses sieht sich wiederum als Personalität. Person, also etwas Besonderes zu sein, ist in der Natur etwas sehr normales.

Der Mensch baut Kokons aus Vorstellungen. Diese interpretieren gemäß einem natürlichen Sinn. Sie dienen dem Überlebens- und Fortpflanzungsinstinkt.

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Foto von Robert John Welch (1859-1936)

Diese Vorstellungen treten jeweils als einzelne auf, blasenartig, und dies natürlich massenweise. Sie halten ihr Inneres fest umschlossen wie die Kabinen auf einem Kreuzfahrtschiff dies tun.

Betrachten wir einzeln solch eine Blase und abgerundet, so wird sie eine Weltanschauung. Die Blase bildet für die Mentalität die Innenansicht einer kugeligen Plattform. Sie wird nach außen hin nie verlassen. Der Mensch kullert in ihr herum, subjektiv wie objektiv.

Ihr Inneres enthält für den Menschen auch sein Äußeres. Diese Plattformen gleichen den Decks auf der Titanic. Leute unterschiedlicher Decks haben möglichst miteinander nichts zu tun.

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„À la Carte“-Restaurant des italienischstämmigen Chefkochs Gaspare Gatti auf dem B-Deck

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Empfangssalon auf dem D-Deck, Unbekannter Fotograf

Zunächst versteht der Mensch sich im Namen seines Daseins als Individuum im Singular, einzeln. Gegenüber anderen und sich selbst, meint er also also sich, unter der Vorstellung ein E i n zeller zu sein. Aus diesem Modus leitet er, durch die Zeit und seine Geschichte, analog alles weitere baumartig ab. Die Ableitung baut für die Erlebniswelt Kokon für Kokon: Die Personalität, dann später die Aufklärung, auch die Wissenschaft in einer säkulareren Form der Einsicht des Einzellers. Dabei ist Wissenschaft epistomologisch für ihn nicht viel anderes als eine kulturelle Weise, nicht gleich alles persönlich zu nehmen. So schafft er sich seine Objektivität. Er spaltet das Innere der Blase in ein Innen und Außen.

Nimmt man ihn ernst, wenn er sich so versteht, so leitet sich der Mensch und wie er sich sieht offensichtlich aus seinem Ursprung ab. Gleiches gilt auch für das, was er erlebt. Er ist instinktiv gebunden an die Vorstellung, die aus seinem Ursprung herkommt. Radikal definiert er sich also her von der ersten Zelle. Ungeklärt ist, ob er das ontogenetisch eher meint oder paläontologisch. Oder meint er es wirklich generell, damit in Bezug auf beides? Ist er einem doppelten Ursprung unterworfen (in einem ganz anderen Sinne transpersonal als wie das Karlfried Graf Dürckheim formulierte: Vom doppelten Ursprung des Menschen)? Stelle ich mir die konkrete Frage, horche ich in mich hinein, gibt es von mir keine Antwort, weder für die Gattung noch für mich als Einzelwesen.

Ist die Geltung seiner Vorstellungswelt deshalb so unumgänglich, weil sie sowohl ontogenetisch als auch paläontologisch verankert ist? Dann wäre das die positive Antwort auf meine Frage. Die Antwort finde ich in mir wie außerhalb von mir selbst als E m p i r i e.

Empirie ist das, was mir die Sicht gibt, unter Einzellern ein Einzeller zu sein. Diese transpersonale I d e e changiert instrumentell angepasst auf Situationen mit der, der einzige zu sein, der Rest sei Theater. Damit sei dann mehr oder weniger ernsthaft existentiell gemeint, Sämtliches sei eine von mir erzeugte virtuelle Realität. Der Mensch kann Ideen erkennen aber keine Vorstellungen. Sie sind für ihn Realität. Die Natur setzt bei ihm die Vorstellungen ein. Sie sind ihr instinktives Konzept für die Struktur Mensch.

Längere Zeit definierte die Wissenschaft den Menschen über den Instinktverlust. Wissenschaftler sahen ihn abgehoben von der Tierwelt. In der Wissenschaft der Einzellervorstellung trat kurioserweise der Instinkt in den Hintergrund. Die Instinktschranke des Menschen wurde nicht übersehen. Man hat nicht einmal bis zu ihr hin geschaut. Man wähnte sich frei, weil man die Augen schloss. Die Augen blinzeln heute vielleicht durch den Kontakt mit der AI. Wahrscheinlich hatte schon die erste Zelle Vorstellungen. Die Verquickung von der Vorstellung mit der Zelle, sich vorzustellen eine zu sein, muss irgendwo herkommen.

Aus der Zahl 1 Identität abzuleiten, lässt sich an Simplizität nicht überbieten. Diese künstlerische Vereinfachung verweist auf den Instinkt.

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Die Titanic kurz vor dem Stapellauf im Jahre 1911, Robert John Welch (1859-1936)

Im ersten Schritt der Realitätsannäherung akzeptiert der als gesund geltende Mensch in sich drinnen Organe. Magen, Leber, Niere, ein Stück Darm. Ein Herz. Diese Luftpumpe im Korb. Für die Dümmsten hat sie noch als Schornstein zu funktionieren. Sie sehen sich als Dampfschiffe.

Die Titanic im Hafen von Southampton am 10. April 1912

Auch technisches Hilfsgerät darf es hier oder da mal sein. Eine Stimulanz für Lust oder Elementares zum Systemerhalt des Organismus. Da unterscheiden sich die Menschen nicht. Sie sind in China so wie hier. All das, worüber wir gerade nachdenken, betrifft paläontologisch eine Zeit vor China und Europa.

 

Die Titanic am 10. April 1912

F.G.O. Stuart (1843-1923)

Darüber hinaus aber, nichts will das Individuum mit Kleinigkeiten, Nanoperspektiven und Vielzelligkeit zu tun haben. Alles das gehört noch heute in den Maschinenraum wie Illusionäres in die Phantasie. Der Mensch unterscheidet sich da nicht viel von der Titanic.

V e r r ü c k t e r w e i s e ignoriert er dabei 39 Billionen Einsiedler an tatsächlichen Mikroben. Ohne diese könnte er nicht mit der Vorstellung herumlaufen, ein Einzeller zu sein. Auch ist das Individuum nun tatsächlich nicht ein Einzeller plus 39 Billionen einzellige Bakterien. Nein, er ist das absolute Gegenteil: 30 Billionen lebendige Zellen p l u s 39 Billionen Wanderzellen.  Die letzteren muss man als Einheimische innerhalb seiner Staatsgrenzen definieren, da der Laden nicht ohne sie funktioniert. Einige Billionen springen jeden Tag ab. Billionen Neue kommen jeden Tag hinzu.

Jede Zelle der 30 Billionen Staatsbürger hat in sich wieder Organe usw. Irgendann, je nach diversen Entwicklungsstufen des Geistes hat man die Erleuchtung und anerkennt Big data: Atome. Sie stürzen uns in einen Nanokosmos. Später dann, hat man genug davon. Man taucht weiter. Man sieht, was diese kleinen Dinger in sich haben und was diese miteinander tun. Man glaubt es kaum.

Aufgrund seiner Weltanschauung vom Einzeller ist der bürgerliche Mensch seltsam rückwärts gewandt. Totalitär regiert in ihm das für einen Einzeller nach wie vor richtige Bewusstsein, ein Einzeller zu sein. Der bürgerliche Mensch merkt nichts davon.

Das bürgerliche Individuum hat die Augen hinten am Kopf und geht rückwärts, während es meint, vorwärts zu gehen. Tatsächlich gehen Menschen andauernd rückwärts. Das tun sie insbesonders, wenn sie gezielt vorwärts schreiten. Sie sind in ihrer Persona vollkommen verrückt. Obendrein akzeptieren sie auch außerhalb von sich selbst nichts ihnen Gegenteiliges.

Sie haben e i n e Welt. Sie leben in ihr mitten drin. Wenn sie wach sind, kommt ihre Weltanschauung als Welt jederzeit mit. Sie ist ein Cyberanzug um jeden einzelnen und macht ihm Umgebung. Auch im Bauch seiner Mutter, wenn er längst kein Einzeller mehr ist, hat er in einer Blase gelebt.

Menschen sind Cyberwesen und wissen nichts davon. Die Blase ernährt sie, sie ist ihre Existenz. Sie sterben in ihr und erleben die Auflösung der Blase als großes Ereignis im Zuge des Sterbensverlaufs. Sie sind in keinem Tunnel.

Sie leben im Cyber des Individiums, einzellig zu sein, auch weiterhin nach ihrer Geburt, eine Zelle in einer Blase. Eigentlich wird der Mensch nie geboren. Zumindest ist ihm dieser Umstandswechsel bisher nicht weiter aufgefallen. Stattdessen träumt er in seinen Vorstellungen bspw. eine Religion der Wiedergeburt. Er geht, wie Nietzsche bemerkt, mit seinen Vorstellungen immer irgendwie daneben. Wird er bewusst geboren, ist er im Regelfall gleich tot. Deshalb hält er sich so sehr fest mit seinen Vorstellungen und Ideen i m Umfang seiner Blase.

Die Menschen unterscheiden sich kaum. Die anderen seiner Gattung haben dieses Syndrom selbstverständlich auch. Bewusstsein nennen sie das, dass sie davon wissen, dass es den anderen exakt genauso ergeht. Bewusstsein soll sein das Wissen, es gäbe hierzu keine Möglichkeit der Abweichung.

Abweichung wäre auch ein Irrsinn. Die Abweichung definiert sich demgemäß jenseits des Unbewußten oder jenseits impliziten Wissens.

Sie haben mit ihrem merkwürdigen Auffassen von Bewusstsein auch die Blasenvorstellung, alles sei wie eine Zelle. Sie haben immer eine Vorstellung, nicht nur im Theater oder im Film.

Wie konnte, ontogenetisch und evolutorisch so lange nach der Einzelligkeit, sich partout das Selbstverständnis halten, 1 zu sein? Und der Rest Null? Wir haben doch gar keine Erinnerung mehr daran, einzellig gewesen zu sein.

Wie kann diese Vorstellung so mächtig sein, ohne eine Erinnerung? Wie konnte man aus diesem Sein der 1 im Gegensatz zum Nichts der Null ein Spiel machen, das rechnet? Liegt das daran, dass man einfach nicht dahinter kommt? Wie konnte man aus reiner Verzweiflung mit 1 und 0 elementare Rechenmaschinen bauen, die für uns objektiv funktionieren? Auf welche Welt bezieht sich das? Warum sollte eine höhere AI diese teilen?

Ist die Physik wahr im Sinne von übermenschlich? Warum lässt das, was wir im Kosmos nicht benennen können, solches Rechnen zu? Wie können wir dabei die Vorstellung haben, die Maschinen würden sich beim Rechnen nicht irren und es ginge alles mit rechten Dingen zu?

Was soll denn an den Ergebnissen der Vorstellung von der 1 und der Null intelligent sein?

Eine Zerlegung der Welt in Entweder Oder, wobei das Eine sein darf, das andere nicht, verbieten wir im Westen schon im Kindergarten.

Auch nivellieren wir die Null, wenn der Informatiker behauptet, wir könnten stattdessen jedes Xbeliebige Zeichen setzen. Logischerweise kann der Nullpunkt nicht nivelliert werden. 0 und 1 als Sprache verlässt nicht vollständig das Zahlensystem.

Denkmal für die Maschinisten der Titanic in Southampton

https://de.wikipedia.org/wiki/RMS_Titanic#/media/File:Southampton-TitanicEngineersMemorial.jpg

Aus gleicher Perversion kommt der Mensch auf die Idee, Intelligenz könne künstlich sein. Wir können es kaum abwarten, ob diese uns ein solch schönes Memorial hinstellt.

Selbst wenn wir durch Intelligenz, die uns begegnet, Teil verschiedener Welten (?) werden, kann unsere Intelligenz leicht überflügelt werden. Wir haben keine Ahnung, wer wir sind. Unsere Vorstellung hat sich nie weiterentwickelt. Wahrscheinlich hat jeder Einzeller die gleichen Gedanken wie wir.

Intelligenz können wir uns so nicht zu Domestiken machen.

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