Indoktrination und der vermurkste Begriff des Framing der Elisabeth Wehling

Propaganda wird niemals sterben.
Kluge Menschen müssen sich darüber klar werden, dass Propaganda
das moderne Instrument ist, mit dem sie für konstruktive Ziele
kämpfen können, und das ihnen hilft, Ordnung ins Chaos zu bringen.

(Propaganda. Die Kunst der Public Relations.
Copyright 1928 und 1955, Edward Bernays. Seite 133. Orange press, 2007)

 

Gerade politische Parteien wie die Grünen entdecken aktuell ihren Machtzuwachs aus erlebbarem Ereignis und Programm. Sie erkennen wie ihnen die Oberflächen von Framing zulächeln können. Ein Sieg durch die Institutionen wie in den Hölzern des Hambacher Forsts reicht nicht. Macht muss heutzutage lächeln, siehe den ewig lächelnden Pandabär Xi Jinping.

Das angedeutete Lächeln der Sphinx war in Ägypten das Vorzeichen der höchsten Autorität. Letztlich ist in der Natur des Menschen nach wie vor Autorität in Zeichen der Macht gefragt. Der Mensch ist ein unterwürfiges Tier. Er will selbst den Gleichen als Ungleichen über sich sehen. Für die Selbstbefriedigung seines Instinkts benutzt er Symbole wie bspw. die Pyramide, die diesen Instinkt freudianisch verdeckend, dafür abstrakt inszenieren.

Die Grünen wollen die politischen Debatten nachhaltig bestimmen. Dafür brauchen sie die Indoktrination permanent, so wie die Revolutionäre die Revolution früher als eine fortdauernde bis zum Sieg des Proletariats sahen, eingefordert als ewig laufende Bewegung von den Revolutionären beim Volk. Das war eine materialistische Auferstehung in der Form eines ewig und 3 Tage Futurismus.

D.h., die Parteivorderen der Grünen legen es jetzt auf die Fortsetzung eines hohen Stimmengewinns ab. Dafür möchte die Parteiführung ein neues, richtungsgebendes Fundament in der Gesellschaft implementieren.

Immerhin soll die Ökologie einer der fünf zentralen Werte im Zentrum des Programms bleiben und auch in dem neuen Begriff der „ökosozialen Marktwirtschaft“ auftauchen. „Framing“ nennt man das neuerdings. Hinzu kommen Selbstbestimmung, Gerechtigkeit, Frieden und Demokratie, die ursprünglich noch als Basisdemokratie verstanden wurde. Und: Die Europäische Union solle zu einer „Föderalen Europäischen Republik“ weiterentwickelt werden, sagt Baerbock.

(https://www.welt.de/politik/deutschland/article191076175/Gruene-debattieren-Grundsatzprogramm-zu-Europa-Quoten-und-Wachstum.html; Ansgar Graw, 30.3.2019, Welt online)

Diesen von Elisabeth Wehling deutlich in negativer Konnotation definierten und situierten Begriff Framing besetzen sie, konnotiert in gleicher Situierung, in aller Öffentlichkeit frech p o s i t i v ins Neudeutsche um. Diese Umwandlung scheint dem Journalisten Ansgar Graw, der vom Parteitag berichtet, als Geschehen gar nicht aufzufallen. Er dokumentiert dazu auch weiter nichts. Die Umpolung der Begrifflichkeit vom wissenschaftlich negativ Gewerteten ins Positive scheint ihm kein Umstand, sondern einfach normal zu sein, also auch für den berichtenden Journalisten. Die Parteioberen sind mit ihren Beratern diesen strategischen Talk um die Bevölkerungsgruppen und Massen gewohnt, die Journalisten sicherlich auch. Der Begriff Framing hat sich eingeschliffen. Dieser wäre damit, gibt der Journalist Ansgar Graw die Situation vom Parteitag richtig wieder, auf offener Bühne nun ohne Scham positiv zelebriert, also damit sei Framing von nun an auch gut. So, als ob es eine positive Demagogie gäbe, sobald man die Sache, um die es angeblich geht, für gut befunden hat.

Dahinter steht Proselyten machen; ist die Sache gut, müssen die Menschen angeleitet werden zum Gutfinden und Mitmachen. So hat auch Lenin Grund und Boden als Gemeineigentum gerechtfertigt und das Kleingewerbe dämonisiert. Bemerkenswerter Weise kommen die simpelsten Verfahrensweisen in der Gegenwart von Informationstechnologien und von Big data wieder auf. Sie werden ob ihrer Wirksamkeit von den Funktionären aus der Mottenkiste geholt, neu eingeführt mit neuen Namen, sind gefeiert und in aller Öffentlichkeit der Medien seit längerem bon sense. Weitere Radikalisierungen der Speerspitze dürfen wir erwarten.

So zeigen sich die Funktionäre offen, wie sie so sind. Kein Wunder, weil ihre Kundschaft selbst oft aus Werbeagenturen usw., jedenfalls einer produktionsfernen modernen Mittelklasse stammt, die sich Begriffe verkauft und meint, gesellschaftlich mit immateriellem Postwachstum Wohlstand zu schaffen.

Framing kann völlig ohne Interessen, g u t geschehen. Die Verdrehung der Begriffe kann ehrlich verkauft werden. Die letzteren sind so im politischen Betrieb der Meinungsbildung umso mächtiger und schlagkräfiger; man versteht mit ihrer Verkippung in die Verdrehung gleich doppelt und deutig. Wenn man auf der richtigen Seite steht, findet man heutzutage dieses Begriffsmanagement, Begriffe so zu verdrehen, clever.

Für die entsprechenden Parteien führt politische Meinungsbildung der anderen direkt nah ans Ziel der Machtausübung. Sie verbreitert Wählerpotential. Politische Meinungsbildung geht immer um Macht. Kann der politische Gegner nicht kritiklos (dies gelingt bspw. mit der SPD) geschluckt werden, entscheidet sich die auch an sich selbst approximierende Macht, undialektisch im Sinne des Nichtens des Gegners, diesem zu enteilen. Die fortlaufende Frequenz Macht, rein basierend auf Framing nimmt den Platz der Dialektik und der öffentlichen ausgefochtenen Kritik ein.

Verwunderlich ist, dass man derlei heute wieder darlegen muss. Dabei ist Framing nichts anderes als der praktizierte Einschluss der Ideologie in die Propaganda mit ein paar sehr schön herausgearbeiteten linguistischen Kleinstwerkzeugen, Simulation, kognitive Verankerung usw., denen es an Neuigkeit als erkannte Figuren mangelt. Und damit, liebe geschichtsvergessene Elisabeth Wehling, Umbenennen heißt unkenntlich machen.

Framing rezitiert Ideologie und Leninismus im Popmodus. Diese Begrifflichkeit Framing, die auch die von ihr aufgeführten Kleinstwerkzeuge nicht richtig umreißt, zieht Ideologie und Leninismus in einem neuen Gewand aus ihrem Zusammenhang. Sie schneidet beide von ihrer Historie ab und würdigt letztere nicht. Pop kann auch Propaganda. Elisabeth Wehlings Framing installiert sich als Pop.

Die meisten der von ihr in ihrem Funktionieren aufgezeigten Werkzeuge haben keinerlei Ähnlichkeit mit einem Rahmen oder einer Rahmenfunktion, mit einem frame. Sie wirken diffiziler als ein Rahmen und gut ist, wenn sie immer wieder dargelegt werden.

Das Problem mit dem Framing ist also ein radikales.

Das Schillern findet sich auch angelegt in dem Abweis seiner Geschichte. Damit grenzt sich die Entwicklung des Begriffs durch Elisabeth Wehling wissenschaftlich nicht genug vom Kommerz ab.

Elisabeth Wehling hat zu dem Unglück um den Begriff Framing also ein Deutliches getan.

Sie definierte diesen umgangssprachlich eigentlich neutralen Begriff Frame stets in ihren Beschreibungszusammenhängen in ihrem Sinne n e g a t i v konnotiert um, angepasst so für ihre Zusammenhänge. Aufgrund der Auslassung der geschichtlichen Ideologiekritik drängt sich der Eindruck auf, auf diese Weise wollte sie mit ihren Lesern, dann die Ideologie besichtigen wie mit einem gemeinsamen Blick über ein Hochplateau. Das Plateau sollte von ihrer Idee her vor ihrer Entdeckung wieder besser namenslos sein und zeitlos auf Instrumente bezogen wie in einem Computerspiel.

So wurde aus dem bekannten Panorama der Indoktrination mit Blick auf Ideologisches ein spezielles Neudeutsch, umdefiniert ein kurzgefasster Abschnitt des englischen Umgangsworts Framing.

Nur so kann man einem Publikum leicht das Abenteuer vermitteln, das Plateau wie ein allererstes Mal zu betreten, quasi vorn mit einer Kamera auf dem Helm und rundherum die umliegenden Weiten der Weltanschauung.

Frame als Bezeichung sollte i h r e Entdeckung aufzeigen, ein neues Licht auf die Fakten werfen.

Ob seiner umgangssprachlichen Neutralität zeigt Frame bzw. Framing sich aber begrifflich für eine ständige negative Besetzung bereits ungeeignet.

Deshalb schon sollte der Begriff Framing nicht, um ihm den Ritterschlag zum Schlagwort zu verpassen, einseitig tendenziös gebogen und umgedeutet werden.

Seine weit gefasste allgemeine und vielfach gebrauchte Bedeutung verträgt keine dauerhafte einseitig negative Unterlegung.

Schubladen findet der Hirnforscher Ernst Pöppel verzeihlich, Rahmen sollten es auch sein.

Durch die tendenziöse Negativierung von Elisabeth Wehling stehen hier „Rahmenmacher“ generell in der Kritik.

Möchte man die Einseitigkeit im Wert in einem Begriff einfangen, sollte man der Einfachheit halber gleich nach einem tendenziös negativen Begriff so lange suchen, bis man ihn identifiziert hat oder letzteren, wenn nichts passendes vorhanden ist, gänzlich neu erschaffen anstelle eine neutral aufzufassende Tätigkeit von vornherein zu desavoiren, indem man sie nur negativ besetzt. Um “Framing” zu bezeichnen, sollten wir nicht darauf angewiesen sein, den Begriff Framing zu framen.

Das gut eingeführte Nomen Propaganda hätte das geleistet, zu bezeichnen, um was es ihr mit Framing gleichfalls geht. Das Nomen wäre aber mit Geschichte beladen gewesen und das hätte Ableitung und Einbettung nötig gemacht.

Verweltanschaulichen wäre ein weiteres mögliches tendenziöses Wort, was gleichfalls den Zusammenhang besser einfängt als der Anglizismus Frame im Deutschen.

Mit Frame wurde das Schicke gewählt, auch wenn es aufklärerisch letztlich Kontraproduktives austrägt.

Framing ist letztlich nichts anderes als ein Bestehendes weltbildend und zweckgebunden mit einer bestimmten Wertkonnotation aufzuladen, die es vorher meist so nicht gegeben hat oder die nun wieder instrumentell vergeben wird.

Worin liegt der Unterschied zur Propaganda oder zur Demagogie? Oder soll mit der Verlautbarung von Framing dem Heer der Instrumentalisten um Big data und Medien ein Weg eröffnet werden, Propaganda, Demagogie unter einem neuen Wort leichter zu verkaufen? Ist das Etikett Framing dafür geschaffen, dass der Instrumentalist nichts wissen will von seiner Instrumentalisierung?

Hier in der oben aufgeführten Berichterstattung vom Parteitag zum Grundsatzprogramm der Grünen wird der Begriff Framing selbst geframed, zudem um so leichter, weil er in der Veranstaltung in gleicher Weise schon degeneriert wurde. Viral erzeugt hat Framing dann nach mehrfachem Ummodeln ein völlig neues Genom, neue Information. Beeinflussungsmethoden sind dann also offenbar positiv zu sehen und harmlos. Man plant das so und macht das dann so.

Täuschen, Umdeklarieren und Tarnen gehört in der ersten und in der zweiten Stufe zum Konzept des Framings, in dem von ihm instrumentell erfassten Inhalt wie in der strategischen Konzeption des Begriffs selbst.

Vermeintlich sogar wissenschaftlich allgemein Gewordenes erhält, weil der Adressat scheinbar ihm Vertrautes vor sich hat, den Vertrauensvorschuss und wird dann funktionalisiert. Des Addressaten eigener Vorschuss gibt dem Framing die nötige Schubkraft für die persönliche Implementierung der Indoktrination der Propaganda. Er muss vermeintlich nichts Fremdes annehmen, sondern gibt sich schon vertrauensvoll, verständnisvoll auf den vorgespiegelten Schein der Sache hin, weil er Bekanntes erwartet und unterliegt umso leichter. Das Kino findet also gleich im Kopf und nicht vor dem Kopf statt. Niemand muss vor den Kopf geschlagen werden. Der Algorithmus des Framing fängt die Leute ein.

Dies gilt insbesondere für die erste Handlungsebene, mit Framing konfrontiert zu werden, aber auch für den Umgang mit dem Begriff selbst. Der Begriff ist zwielichtig, gewissermaßen gefährlich. Die zweite Handlungsebene erreicht, das verwandelte Konzept des Framings zu übernehmen und Framing aktiv zu betreiben. Man begibt sich in die Gegenaufklärung, in die Konterrevolution. Man framed, man instrumentalisiert.

Es kann auf der oben ausgeführten Grundlage des Framing-Begriffs nicht verwundern, wenn Frame im Akt des Framing selbst nun strategisch im politischen Umgangssprech zunehmend begrifflich in die sich „positiv“ verstehende Konnotierung gerät, zunächst ganz gegen die augenscheinliche Absicht der Framing-Autorin. Die Ideologiekritik unter dem neuen Schlagwort konterkarriert sich damit sämtlich. Scheinbar aufklärerische Kritik wird glatt für Macht instrumentalisiert. Die von der Autorin negativ getroffenen Konnotierung des Begriffs wird inside out positiv umgekehrt und damit in der Methode der freudschen Verdeckung unverständlich gemacht.

Indoktrination wäre deshalb mein Favorit, Framing zu ersetzen. Hier In einer pluralistischen, wenig autoritären Gesellschaft müsste es schwer fallen, diesen negativ wertenden Begriff wiederum allgemein positiv zu werten. Indoktrination als bezeichnender Begriff lässt an begrifflicher Klarheit deshalb in einer demokratisch aufgefassten Situierung nichts zu Wünschen übrig.

Das Schlagwort Framing hat Elisabeth Wehling als junge kognitive Linguistin international bekannt gemacht. Der Kritik der Indoktrination hat diese Verbreitung eines in seiner Direktive begrifflich nun ungezügelt floatenden Terms, wie wir jetzt sehen, leider gar keinen Gefallen getan. Framing munitioniert nun die Gegenaufklärung. Der Titel Framing gehört jetzt schon in den Instrumentenkasten, also vollständig in die Theorie der praktischen Anwendung von Indoktrination.

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.