Krumme Gestalten, vom Wind gebissen – Monika Maron

Ich hab sie das erste Mal gelesen. Das Buch geht so munter daher. Da wird die Literatur zum Nachbarn in Berlin, zur Freundin in Mecklenburg, nahe an der See. Da wird aus der Seele gesprochen.

Man hört zu, kichert, lacht.

Altbekanntes.

Verdammt lang ist es her, so angefasst, seelisch jemandem plötzlich bei der Hand zu sein. Dieses Geplauder über den Hund, eine Zugfahrt, eine Begegnung hier und da und über das, was man gelesen hat. So sich in einem Gespräch gebannt sehen und Wort bei Wort, Seite für Seite, ich als Leser, dort ein Schriftsteller, der was schreibt. 

Und dann ist da von hinten kommend dieser Shining Effekt. Dieser Grusel der Nähe zu einem Selbst, eine Nähe zu sich, die der andere bereitet, eine Dame als Meisterin der Verführung, als Kennerin der Seele. Einen fortdauernden Effekt, nahe am Grusel durch übertriebene Nähe, den nur allergute Literatur hat.

Vielleicht ist das Thomas Bernhard bei mir das letzte Mal gelungen, da war ich 20 Jahre alt und ich habe ihn nicht weglegen können und immer mitgeschleppt beim Essen in der Pizzeria, beim Inder usw. 

Dann haben Erich und ich mit dem Maas Verlag irgendwann ermüdend lang Literatur verlegt und ich die Nabelschnur zur Literatur letztendlich verloren.

Jedenfalls, dieser kleine Band mit dem vielsagenden Titel. Das ist Sprache, das ist Können, große Kunst, mehr als reine Gegenwart. Mehr als subtil.

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