Das Gewitter und der Kurier mit dem Buch von Mircea Eliade

Der Titel des Buchs “Kosmos und Geschichte”, Untertitel “Der Mythos der ewigen Wiederkehr”, erschienen im Verlag der Weltreligionen, Teil des Insel Verlages, der wiederum zu Suhrkamp gehört.

Eine halbe Stunde vorher war der Blick aus dem Fenster gefangen von einem Schwarzweiß Bild. Alles war schwarz-weiß und irgendwie zweidimensional. Der Baum, vor dem noch hellen Himmel, schwarz. Unten Haus und Hausdach, gegenüber, schwarz. Der Garten schwarz. Es blieb also nicht viel, im oberen Drittel des Scherenschnitts etwas hell.

Dann war es plötzlich nur noch schwarz und die Geräusche fingen an. Es war wie ein Brummen, eher nicht als Regen erkennbar, der ja auch fröhlich sein kann, klimpern oder trommeln, nichts davon. Es hatte etwas von einem Generator. Zu meiner Frau sagte ich, was sie schon von mir so oft gehört hat und sie mir auch immer wieder sagt, es ist der Klimawandel.

Der Regen, eher ein warmer Regen mitten im Januar. Das Wetter, was wir uns vor ein paar Jahren noch gewünscht hatten, weswegen wir nach Mallorca hätten ziehen wollen. Die Niederländer werden aber ein Problem haben, erläutere ich meiner Frau, beide haben wir je ein schwarzes Fenster. Das liegt jetzt schon großteils unterm Meeresspiegel. Atlantis, der Untergang, alles wiederholt sich in Zyklen. Und Berlin bald am Meer. Kulturell haben uns die Holländer immer gut getan.

Ich erzählte ihr, wie in den 80. Jahren in Berlin der Januar war mit Kohleofen, der Schnee. Die ganze Kohleluft, die aus der DDR herüber zog, aus der Lausitz, sagte man, nicht nur aus Ostberlin, dieser Geruch nach süß-säuerlich verbranntem Koks. Sie hört nicht zu und ich hör damit wieder auf. Sie erzählt auch was vom Schnee.

Ja, das ist der Klimawandel. Auch habe ich ihr von dem bei mir gerade immer wiederkehrenden Gedanken erzählt, ob ich jetzt noch die Winterreifen aufziehen, oder ob ich es, als Schnäppchen verbucht, einfach sein lasse. Dieses Hin und Her im Kopf ist seit zwei, drei Wochen schon eine Manie geworden.

Dann wieder 20 Minuten am Bildschirm angestrengt. Der Blick nach draußen, alles tiefschwarz. Es ist doch nachmittags und das Geräusch hört man ja wohl die ganze Zeit. Dann klingelt es und man muss zur Tür.

Da steht ein Kurierfahrer mit einer großen Kiepe und in einer neumodernen wasserabweisenden Kleidung, kein Ölanzug. Sie funktioniert aber nicht, kann man sehen. Wahrscheinlich ein Experiment in der Zustellung der Bücher. Er ist pitschnass, hat einen Umschlag für mich und ich muss unterschreiben. Also, regnet es draußen.

Vermutlich passt zum Weltuntergang Mircea Eliade. Im Vorwort der französischen Ausgabe steht, er, der Autor empfiehlt mit diesem Buch anzufangen, möchte man seine Geisteswelt studieren. So weiß ich nun, meine Intuition ist konkludent zu dem Rat von Mircea Eliade, wie man in seine Bücher einsteigt, um für einen Moment zu verschwinden.

Als ich so gegen 19 Uhr vom Optiker zurückkam, wegen einer neuerlichen Stärken-Messung, bevor er mir endgültig die neue Brille macht, unten auf dem Hof der abstoßende Gedanke, es muss ja auch nicht überall auf der Erde wirtlich sein für den Menschen. Es geht kosmologisch wie planetar auch so weiter. Das Absterben ganzer Landstriche, das Veröden und die Massaker in manchen Regionen werden nicht das Ende vom Lied sein, kein Armageddon.

Jedenfalls nicht Europa, hard boiled.

 

“(Das >Weltende<, das heißt das Ende eines bestimmten geschichtlichen Zyklus, vollzieht sich nicht immer bei Gelegenheit einer Sintflut, sondern auch durch Feuer, Hitze usw. Eine bewundernswerte Vision apokalyptischer Art, in der ein trockener Sommer als Rückkehr ins Chaos betrachtet wird, findet sich in Jesaja 34,4, 9 – 11. Vgl. analoge Bilder in Bahman-Yasht II 41 und Lactanz, Divinae Institutiones VII, 16,6.)”
zitiert aus Kosmos und Geschichte. Der Mythos der ewigen Wiederkehr, S. 81, Mircea Eliade, Verlag der Weltreligionen, 2017)

Gelernt habe ich bis Seite 87 folgendes: die Reaktualisierung des primordalen Chaos fällt zeitlich zusammen mit der Geburt. Chaos und Geburt, bzw. zyklischer Neuanfang der Schöpfung fester Formen fallen zunächst gemeinsam in einen ekstatischen Zeitpunkt profaner und heiliger Zeit (s. hier auch seine Ausführungen zu Marduk “Marduk erschafft den Kosmos aus den Teilen des zerstückelten Körpers Tiamats und erschafft den Menschen aus dem Blut Kingus, des Dämons, dem Tiamat die Tafeln des Schicksals anvertraut hatte (Enuma elish VI33)”, S. 71, M.E.). Ist die Kraft, die Neues schaffen will, stark und heroisch genug, fängt die Schöpfung von neuem an. Sie unterwirft sich hierfür der Reinigung und dem Kampf mit dem Drachen (der Unordnung).

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